Warum es uns gibt —
und wie alles in einer Selbsthilfegruppe begann
Unsere Geschichte ist keine Heldengeschichte. Sondern eine, die in einer Selbsthilfegruppe der Caritas Augsburg ihren Anfang nahm — mit Eltern, die sich zum ersten Mal verstanden fühlten.
Wenn ihr diese Seite gerade lest, dann habt ihr vielleicht schon einmal versucht, im Netz Antworten zu einem Autismus-Thema zu finden. Vielleicht habt ihr eine offizielle Beratungsstelle angerufen. Vielleicht habt ihr in Foren nach Erfahrungen gesucht.
Und vielleicht habt ihr — wie wir damals — irgendwann gemerkt: Es gibt viele Informationen. Aber wenig Orientierung. Es gibt offizielle Stellen, die ihren Job machen. Aber selten jemanden, der einfach nur zuhört.
Genau aus dieser Erfahrung ist Autismus Augsburg entstanden. Wir sind selbst Eltern autistischer Kinder. Wir wissen, wie sich der Anfang anfühlt — weil wir ihn selbst durchlebt haben. Und wir wollten, dass andere Familien in Augsburg nicht denselben Suchweg durchlaufen müssen wie wir.
Dieser Artikel erzählt, wie es dazu kam. Ehrlich, ohne Pathos, ohne Werbeversprechen.
Wo es anfing: in einer Selbsthilfegruppe
Der Funke unserer Initiative entstand nicht am Küchentisch und auch nicht im stillen Kämmerlein. Er entstand in einer Selbsthilfegruppe der Caritas Augsburg — in einem Raum, in dem Eltern autistischer Kinder zum ersten Mal das erlebten, was viele von uns vorher monatelang gesucht hatten: Menschen, die das Gleiche durchmachen. Menschen, denen man nicht alles erklären muss. Menschen, die nicken, wenn man von Schulgesprächen erzählt, von Wartezeiten, von Verwandten, die es einfach nicht verstehen.
Wir kamen dort als Eltern hin. Wir kamen mit unseren eigenen Geschichten, unseren eigenen Sorgen, unseren eigenen Themen. Und wir gingen jedes Mal mit diesem Gefühl nach Hause.
Aus diesen Treffen entstand mit der Zeit eine Frage. Mehrere Fragen eigentlich:
Wie viele Familien gibt es in Augsburg, die noch nicht wissen, dass es diese Selbsthilfegruppe überhaupt gibt?
Wie viele suchen gerade verzweifelt nach Orientierung — ohne zu wissen, dass schon Eltern da sind, die das alles kennen?
Wie könnten wir das, was hier in der Gruppe passiert, noch zugänglicher machen? Sichtbarer? Niedrigschwelliger?
So entstand die Idee zu Autismus Augsburg — nicht als Ersatz für die Caritas-Gruppe, sondern als ergänzende Initiative, die unter anderem dabei hilft, Familien überhaupt erst zu erreichen, die noch gar nicht wissen, dass es solche Anlaufstellen in Augsburg gibt. Eine Website mit Wegweisern. Vorlagen und Leitfäden. Persönliche E-Mail-Kontakte. Sichtbarkeit im Netz und in der Stadt.
Die Caritas-Selbsthilfegruppe gibt es weiter — und ist und bleibt eine zentrale Anlaufstelle für persönlichen Austausch in Augsburg. Wir verweisen dort hin, wann immer es passt.
Was uns damals gefehlt hat
Drei Dinge, die uns vor der Selbsthilfegruppe — in den ersten Monaten nach den Diagnosen — besonders gefehlt haben. Genau die Dinge, die wir heute mit Autismus Augsburg anbieten wollen.
Orientierung statt Informationsflut
Es gibt im Netz Tausende Artikel zu Autismus. Viele gut, viele veraltet, manche schlicht falsch. Was uns fehlte: eine vertrauenswürdige erste Sortierung. Was ist wichtig, was kann warten, was ist Quatsch?
Erfahrungswissen, nicht nur Fachwissen
Fachleute wissen, was Autismus medizinisch ist. Aber selten, wie sich Mittwoch 18 Uhr mit einem überreizten Kind anfühlt. Erfahrungswissen ist mindestens so wertvoll — aber selten niedrigschwellig zugänglich.
Augenhöhe, nicht Hierarchie
In Beratungsstellen sitzt man oft in einer Rolle. Manchmal brauchen Eltern aber kein „Hilfe-Geben" — sondern ein Gegenüber, das ähnlich erlebt hat. Wie in einer Selbsthilfegruppe — nur eben jederzeit erreichbar.
Nicht als Konkurrenz zu Fachstellen — sondern als Ergänzung.
Was wir sind
Autismus Augsburg ist eine Initiative von Eltern für Eltern — getragen ehrenamtlich von Menschen, die selbst betroffen sind. Alle, die bei uns mitwirken, sind entweder Eltern autistischer Kinder, autistische Erwachsene, Geschwister oder enge Angehörige. Wir geben nicht professionelle Beratung — wir geben das weiter, was wir selbst erlebt und gelernt haben.
Das hat Konsequenzen. Es bedeutet, dass wir keine Empfehlungen aussprechen, die wir nicht selbst erprobt haben. Es bedeutet, dass wir nicht alles wissen — und das auch ehrlich sagen. Es bedeutet, dass wir keine bestimmten Therapieformen oder Anbieter bewerben. Und es bedeutet, dass wir Strukturen aus dem Alltag heraus aufbauen, nicht aus theoretischen Vorgaben.
Das bedeutet auch: Wir sind nicht neutral, im Sinne von professioneller Distanz. Wir haben Werte. Wir haben Erfahrungen. Wir glauben, dass autistische Menschen vor allem das brauchen, was alle Menschen brauchen — Respekt, Verständnis, eine Welt, die nicht alles auf einmal verlangt. Das prägt, wie wir arbeiten.
Was wir nicht sind
Das ist wichtig zu sagen, weil es Erwartungen ordnet.
Wir sind keine Therapeut:innen
Wir behandeln nicht, wir diagnostizieren nicht, wir geben keine medizinischen oder psychologischen Empfehlungen ab.
Wir sind keine offizielle Beratungsstelle im SGB-Sinne
Wir haben keine staatlichen Aufträge, wir sind nicht abrechnungsfähig, wir können keine Pflichtberatung übernehmen.
Wir sind keine politische Interessenvertretung
Es gibt dafür gute Verbände — wir verweisen gerne. Wir konzentrieren uns auf das, was wir gut können: zuhören, weitergeben, vernetzen.
Wir sind kein Ersatz für professionelle Hilfe
Wenn Krisensituationen entstehen, vermitteln wir an die richtigen Stellen — wir sind nicht selbst die richtige Stelle.
Was wir sind, ist eine erste Anlaufstelle. Eine Stimme, die sagt: „Wir kennen das, lass uns reden." Manchmal ist genau das, was Familien brauchen.
Wir bauen auf Unterstützer
Wir sind ehrenamtlich organisiert. Niemand verdient Geld mit dieser Initiative — alle Beteiligten arbeiten in ihrer Freizeit, weil sie das Thema wichtig finden. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Wir sind unabhängig, wir müssen niemandem gefallen, wir verkaufen nichts. Der Nachteil: Wir können nicht alles leisten, was eine professionelle Stelle könnte. Wir sind langsamer, kleiner, manchmal etwas chaotisch. Das gehört dazu.
Kompetenzzentrum Autismus Schwaben-Nord
Caritas Augsburg
Dort, wo die fachliche Begleitung zu Hause ist, die Familien in unterschiedlichen Lebenslagen brauchen. Die Mitarbeiter:innen dort arbeiten professionell, fachlich fundiert und seit Jahren mit autistischen Menschen und ihren Familien in der Region. Diese Zusammenarbeit ist uns wichtig, weil sie zwei Welten verbindet: Erfahrungswissen aus dem Alltag und Fachwissen aus der Praxis. Was wir nicht selbst leisten können, vermitteln wir gerne dorthin weiter.
Aktuell befinden wir uns im Gründungsprozess als gemeinnütziger Verein.
Das gibt unserer Arbeit eine offizielle Struktur, schafft Transparenz und macht es möglich, dass uns auch Förderer und Spender:innen unterstützen können. Wir nehmen uns dafür die Zeit, die nötig ist — eine Vereinsgründung in Bayern ist ein eigenes Kapitel, das wir hoffentlich gut durchsteuern.
Wofür wir stehen
Drei Werte stehen über allem, was wir tun.
Was Familien uns erzählen, bleibt zwischen uns. Wir teilen keine Geschichten, keine Namen, keine Details — nirgendwo. Wenn wir aus Erfahrung erzählen, dann immer so allgemein, dass keine Person, kein Kind, keine Familie wiedererkennbar ist. Das ist nicht verhandelbar.
Unsere Arbeit ist und bleibt für alle Anfragenden kostenlos. Alle Leitfäden, Vorlagen, persönliche Antworten auf E-Mails — nichts davon ist mit einem Preisschild versehen. Wer uns unterstützen möchte, kann das gerne tun. Wer es nicht kann oder will, soll trotzdem alles bekommen.
Ihr bekommt von uns echte Antworten von echten Menschen. Keine Bots, keine Standard-Templates, keine Marketing-Phrasen. Das dauert manchmal ein paar Tage länger als bei großen Stellen. Aber wenn wir antworten, dann ehrlich, durchdacht und auf eure konkrete Frage bezogen.
Wo ihr uns erreicht
Es gibt mehrere Wege, mit uns oder dem Thema in Kontakt zu kommen — je nachdem, was ihr gerade braucht.
„Die ersten 30 Tage nach der Diagnose"
Unser ausführlicher Wegweiser durch die typischen Phasen nach einer Diagnose — emotional und praktisch.
Zum Wegweiser →Selbsthilfegruppe bei der Caritas
Dort, wo auch wir angefangen haben — beim Kompetenzzentrum Autismus Schwaben-Nord.
Zur Caritas →Es gibt bei uns keine Wartezimmer, keine Anmeldepflicht, keine Voraussetzungen. Jede Frage ist willkommen.
„Wir wissen, wie es ist. Und wir hören zu."



