Übergang Schule
→ Ausbildung
Die Zeit nach der Schule ist für viele autistische Jugendliche die kritischste Phase. Welche Wege gibt es? Wer begleitet den Übergang? Welche Förderungen stehen bereit — und wie kommt man daran? Dieser Leitfaden zeigt alle Optionen Schritt für Schritt.
der Schule
erklärt
stellen
Ein persönliches Wort von Rolf & Karin
Der Schulabschluss ist ein Meilenstein — aber er fühlt sich für viele autistische Jugendliche und ihre Familien eher wie eine Klippe an. Was jetzt? Ausbildung? Praktikum? Oder erstmal nichts? Und wie soll das alles funktionieren, wenn schon die Schule so anstrengend war?
Hier gibt es gute Nachrichten: Es gibt mehr Wege und mehr Unterstützung als die meisten wissen. Speziell für autistische Jugendliche konzipierte Berufsvorbereitungen, Ausbildungen in kleinen Gruppen, begleitete Praktika — das alles existiert. Man muss nur wissen, wie man dazu kommt.
Berufsvorbereitung (BvB)
Strukturierte Orientierungsphase mit Praktika — ideal für alle, die noch nicht wissen, welcher Beruf passt.
Betriebliche Ausbildung + Unterstützung
Reguläre Ausbildung im Betrieb — mit Ausbildungsassistenz und Nachteilsausgleich abgesichert.
Integrative Ausbildung (MAut)
IHK-Ausbildung in kleiner Gruppe, speziell für Menschen mit Autismus. Sehr hohe Abschlussquote.
Schulische Ausbildung / Weiterqualifizierung
Berufsschule, Fachoberschule, Berufsfachschule — mit Nachteilsausgleich und Reha-Status.
Studium mit Nachteilsausgleich
Für Abiturient·innen — Hochschulen haben Beratungsstellen, Nachteilsausgleich ist in Prüfungen möglich.
Fünf Schritte — vom letzten Schuljahr bis zum Ausbildungsplatz
Je früher man anfängt, desto mehr Optionen bleiben offen. Idealerweise beginnt die Planung zwei Jahre vor dem Schulabschluss.
Reha-Beratung bei der Agentur für Arbeit anmelden — 2 Jahre vor Abschluss
Das ist der wichtigste erste Schritt — und er sollte so früh wie möglich erfolgen. Meldet euch ausdrücklich als Rehabilitandinnen und Rehabilitanden an. Das ist kein negativer Status — es öffnet Türen zu speziellen Förderprogrammen, die für andere nicht zugänglich sind.
- Individuelle Berufswegeplanung gemeinsam entwickeln
- Eignung für Berufe mit psychologischen Tests abklären
- Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) zuweisen
- Ausbildungsassistenz beantragen und finanzieren
- Kontakt zu spezialisierten Trägern wie MAut herstellen
- Nachteilsausgleich in Prüfungen koordinieren
Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) — der ideale Einstieg
Wer nach der Schule noch keine klare Berufsvorstellung hat — oder wer erst herausfinden möchte, was passt — ist mit einer BvB gut beraten. Es gibt sogar eine BvB speziell für Autismus (BvB MAut), die vom Integrationszentrum MAut in Bayern angeboten wird.
BvB MAut — Berufsvorbereitung speziell für Autismus (Bayern)
Träger: Integrationszentrum MAut (gfi gGmbH), im Auftrag der Agentur für Arbeit.
- Kompetenzfeststellung — welche Stärken bringt ihr mit?
- Individuelle Berufsorientierung und Berufsfindung
- Begleitete Praktika in verschiedenen Berufsfeldern
- Sozialtraining und Kommunikationstraining
- Dauer: 12 oder 24 Monate · Start: September
- Zulassung über Reha-Beratung der Agentur für Arbeit
MAut-Standorte: München, Erlangen — für Augsburg: Agentur für Arbeit Augsburg anfragen
Ausbildungsweg wählen — vier konkrete Optionen
Es gibt nicht nur den einen Weg. Je nach Stärken, Schulabschluss und persönlicher Situation kommen unterschiedliche Ausbildungsformen in Frage.
Ausbildungsassistenz beantragen — nicht auf eigene Kosten
Ausbildungsassistenz ist eine der wirkungsvollsten Hilfen — aber sie muss aktiv beantragt werden. Sie begleitet autistische Azubis in Betrieb und Berufsschule und kann den Unterschied zwischen Erfolg und Abbruch ausmachen.
- Begleitung in Betrieb und Berufsschule (nach Bedarf)
- Vermittlung zwischen Azubi, Betrieb und Berufsschule
- Strukturierungshilfe und Krisenbegleitung
- Koordination mit Reha-Berater der Agentur für Arbeit
- Finanzierung: Agentur für Arbeit oder Rentenversicherung
Zeitplan: Wann was tun
Der Übergang von der Schule in die Ausbildung braucht Vorlaufzeit. Diese Übersicht zeigt, wann die wichtigsten Schritte anstehen.
Übergang Schule → Ausbildung planen
Hake jeden erledigten Schritt ab. Der Stand wird im Browser gespeichert.
Was bedeutet das alles?
Die wichtigsten Begriffe rund um den Übergang von der Schule in die Ausbildung.
- Reha-Beratung / RehabilitandSchlüsselbegriff
- Spezialisierte Berufsberatung der Agentur für Arbeit für Menschen mit Behinderung. Wer sich als Rehabilitand anmeldet, bekommt ein anderes Team mit deutlich mehr Fördermöglichkeiten — von Ausbildungsassistenz bis BvB MAut.
- BvB — Berufsvorbereitende BildungsmaßnahmeFörderung
- Finanzierte Orientierungsphase nach der Schule — mit Praktika, Berufsfindung und Bewerbungstraining. Finanziert von der Agentur für Arbeit. Es gibt eine Spezialvariante für Autismus: BvB MAut (Integrationszentrum MAut, Bayern).
- MAut — Integrationszentrum für Menschen mit AutismusEinrichtung
- Bayerische Facheinrichtung für Berufsvorbereitung und integrative IHK-Ausbildung speziell für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen. Träger: gfi gGmbH. Standorte München und Erlangen. Zugang über Reha-Beratung der Agentur für Arbeit.
- AusbildungsassistenzFörderung
- Individuelle Begleitung während der Ausbildung — im Betrieb und in der Berufsschule. Vermittelt zwischen Azubi, Betrieb und Schule. Finanziert durch die Agentur für Arbeit oder die Deutsche Rentenversicherung. Antrag über die Reha-Beratung.
- Nachteilsausgleich AusbildungRecht
- Prüfungsanpassungen für autistische Auszubildende — verlängerte Zeit, ruhiger Raum, schriftliche Aufgabenstellungen. Getrennte Anträge bei der Berufsschule (über Schulleitung → Bezirksregierung Schwaben) und bei der Kammer (IHK/HWK).
- JugendberufsagenturBehörde
- Kooperationsprojekt von Agentur für Arbeit, Jobcenter und Jugendhilfe für alle unter 25. In Augsburg koordiniert sie den Übergang Schule-Beruf und ist erste Anlaufstelle, wenn mehrere Stellen gleichzeitig zuständig sind.
- Berufsbildungswerk (BBW)Einrichtung
- Spezialisierte Ausbildungseinrichtung für Menschen mit Behinderung — mit Wohnangebot, Therapien und kleinen Klassen. Für Fälle, in denen wohnortnahe Optionen nicht ausreichen. Zugang über Reha-Träger (Agentur für Arbeit, DRV).
- BoEi — Berufsorientierende EinstiegsbegleitungBayern
- Bayerisches Programm für Schülerinnen und Schüler mit anerkannter Schwerbehinderung. Zielt darauf ab, die Chancen beim Übergang in Ausbildung und Arbeit zu verbessern. Informationen beim Schulamt und der Agentur für Arbeit.